Geschichte

Interdisziplinäres Arbeiten zwischen Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften hat an der Friedrich-Schiller-Universität eine lange, auch in der jüngsten Geschichte lebendige Tradition: In den 1990er und 2000er Jahren prägte der Sonderforschungsbereich 482 „Ereignis Weimar – Jena. Kultur um 1800“ das universitäre Leben. Hier wurden für die Entwicklung der Moderne maßgebliche politisch-gesellschaftliche und intellektuelle Umbrüche in der Zeit zwischen Christoph Martin Wielands Ankunft in Weimar (1772) und Goethes Tod (1832) an einem besonderen Ort, der „Doppelstadt“ Weimar – Jena, untersucht. Verstanden wurde dieser Ereignisraum als Ort verdichteter Kommunikation zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Künste, Literatur, Philosophie, Theologie, Politik und Naturwissenschaften. Dieser Raum ermöglichte Innovationen, die sich ihrerseits nur durch methodische Vernetzung entschlüsseln und verstehen ließen. 

„Es gilt also auch hier was bei so vielen anderen menschlichen Unternehmungen gilt, daß nur das Interesse mehrerer auf Einen Punct gerichtet etwas Vorzügliches hervorzubringen im Stande sei.“ (Johann Wolfgang Goethe, Der Versuch als Vermittler von Object und Subject.) Als Fortsetzung dieses Anliegens verstand sich das universitäre „Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung“, 2008 gegründet und bis in das Jahr 2022 aktiv. Ins Zentrum des interdisziplinären Dialogs rückten hier die Verbindung von Gegenwartsfragen und -problemen mit der Formationsphase moderner Gesellschaften, der strukturelle und diskursive Vergleich der Gesellschaftsformationen des 18. und des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Die 2010 gegründete „Forschungsstelle Europäische Romantik“ konzentrierte sich in ihrer fächerübergreifenden Erforschung der Romantik nicht allein auf deren Protagonistinnen, Hauptvertreter und Werke, sondern berücksichtigte auch parallele oder widerstreitende Phänomene und Konstellationen. Aus der Arbeit der Forschungsstelle ging das DFG-Schwerpunktprogramm „Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne“ (2013–2020) hervor. In den letzten Jahren standen insbesondere europäische Austauschbeziehungen und Verflechtungen im Zentrum der wissenschaftlichen Erschließung wie des öffentlichkeitswirksamen Programms. Mit der Forschungsgruppe "Europäische Romantik oder Romantiken in Europa? lag ein Schwerpunkt auf der Relevanz künstlerischer und bildlicher Ausdrucksformen für die kulturelle Entwicklung Europas in der Moderne. Die Forschungsstelle war institutionell eng verbunden mit Schillers Gartenhaus und dem Goethe-Laboratorium der Universität.

2015 setzte das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg „Modell Romantik. Variation – Reichweite – Aktualität“ ein und lieferte über neun Jahre und drei Generationen von Doktorandinnen und Doktoranden hinweg neue Erkenntnisse zu Rezeptions- und Wirkungsprozessen der historischen Romantik in modernen Formen der Weltdeutung, der Lebensvollzüge, der Selbstkonstitution und der ästhetischen Gestaltung. Die Aktualisierungen von ‚Romantik‘ in verschiedenen kulturellen und nationalen Kontexten wurden durch einen neuen methodischen Zugriff interdisziplinär beschreibbar.

Die über lange Zeit institutionell aufgefächerte Arbeit, die sich mit den Schlagworten „Konstellationen in kulturellen Räumen um 1800“, „Romantik und ihre Wirkung“, „historisch informierte Gegenwartsanalyse“ pointieren lässt, läuft im 2025 gegründeten Jenaer Zentrum für Romantikforschung zusammen und stärkt die neben „Light“ und „Life“ bestehende Profillinie „Liberty“ der Friedrich-Schiller-Universität.